Euro-Office vs. ONLYOFFICE – ein Streit, der Europas Open-Source-Gemeinschaft spaltet

Ende März 2026 wurde die Welt offene Quelle einer der bedeutendsten Lizenzierungskonflikte der letzten Jahre. Ein europäisches Konsortium unter der Leitung von Nextcloud a IONOS stellte das Projekt am 27. März in Berlin vor Euro-Büro - office suite fork ONLYOFFICE, das sich zum Ziel gesetzt hat, eine wirklich souveräne europäische Bürolösung zu werden. Die Reaktion von ONLYOFFICE ließ nicht lange auf sich warten und führte innerhalb weniger Tage zur Aussetzung der achtjährigen Partnerschaft zwischen den beiden Projekten.


Was tatsächlich geschah

Euro-Office wurde als Reaktion auf die wachsenden Bedenken der europäischen Institutionen hinsichtlich der digitalen Souveränität gegründet. Nextcloud und seine Partner präsentieren Euro-Office als eine europäische souveräne Alternative. Ein Teil ihres Arguments ist, dass einige Kunden über die angeblichen russischen Wurzeln von ONLYOFFICE besorgt sind - das Unternehmen hat zwar formal seinen Sitz in Lettland, aber Kritiker sagen, dass ein Großteil seiner Entwicklung in Russland bleibt. Vor dem Hintergrund des wachsenden Drucks auf die technologische Unabhängigkeit in Europa ist dies ein Argument, das für lokale Lösungen für öffentliche Organisationen spricht.

ONLYOFFICE sah dies jedoch anders. Auf 30. März 2026 hat eine Erklärung veröffentlicht, in der es behauptet, dass Euro-Office gegen seine Lizenzbedingungen verstößt, insbesondere wegen der Entfernung von Markenzeichen, Logos und Namensnennung von der Benutzeroberfläche. Am darauffolgenden Tag, dem 31. März, kündigte ONLYOFFICE die Aussetzung seiner Partnerschaft mit Nextcloud mit sofortiger Wirkung an. Hierbei handelt es sich noch nicht um einen bekannten Rechtsstreit, sondern um einen öffentlichen und rechtlich ungelösten Konflikt über die Auslegung der Lizenz.


Kern des Streits - Abschnitt 7 der AGPLv3

Der gesamte Konflikt dreht sich um die Auslegung einer bestimmten Bestimmung der Lizenz. Im Jahr 2021 fügte ONLYOFFICE seiner Lizenz - nach eigener Aussage in Zeile 655 - zwei wichtige Bestimmungen aus Abschnitt 7 hinzu: die Verpflichtung, das Logo in der Benutzeroberfläche beizubehalten (Abschnitt 7(b)) und den Verzicht auf Markenrechte (Abschnitt 7(e)).

Euro-Office entfernte diese Bedingungen mit dem Argument, dass die AGPLv3-Lizenz selbst in Abschnitt 7(4) den Empfängern ausdrücklich erlaubt, so genannte „weitere Einschränkungen“ zu entfernen. ONLYOFFICE hingegen beharrt darauf, dass seine Bedingungen legitim und durch die Lizenz selbst erlaubt sind und dass ein Verstoß gegen sie automatisch die Lizenzrechte gemäß Abschnitt 8 beendet.

In Debatten über die AGPL hat die amerikanische der Präzedenzfall Neo4j, in dem das Gericht entschied, dass die in Abschnitt 7 enthaltene Bestimmung zur Beseitigung weiterer Beschränkungen für Lizenznehmer und nicht für Lizenzgeber gilt. Diese Entscheidung an sich löst den Streit zwischen Euro-Office und ONLYOFFICE nicht, doch würde sie, wenn ihre Logik angewandt würde, eher zum Vorteil von ONLYOFFICE ausfallen. Außerdem hat der CEO von ONLYOFFICE, Lev Bannov, öffentlich vorgeschlagen, dass die gesamte Situation von der Stiftung für freie Software - die ein verbindliches Gutachten über die Rechtmäßigkeit der zusätzlichen Bedingungen abgeben könnte.

In der Debatte wurde auch das Open-Source-Modell von ONLYOFFICE und seine Betonung der Microsoft-Formate kritisiert, wodurch der Streit weit über die reine Lizenz hinausging und sich auf die Frage ausweitete, was „echte Open Source“ eigentlich bedeutet.


Drei Konfliktebenen auf einmal

Oberflächlich betrachtet handelt es sich um einen Lizenzstreit. Doch unter der Oberfläche spielt sich das Spiel auf drei Ebenen gleichzeitig ab. Die erste Ebene ist die eigentliche Lizenz - Auslegung der AGPLv3 und ihres Abschnitts 7, bei der sich die Anwälte nicht einig sind und noch keine förmliche Klage eingereicht wurde. Die zweite Ebene ist Geschäftskonflikt - Nextcloud hat effektiv einen Konkurrenten für seinen bestehenden Partner geschaffen und ONLYOFFICE hat eine seiner wichtigsten Integrationsplattformen verloren. Die dritte Ebene ist Geopolitik - europäisch digitale Souveränität und Bedenken hinsichtlich der wahrgenommenen Auswirkungen auf kritische Infrastrukturen.


Was bedeutet das für den Benutzer

Wenn Sie derzeit ONLYOFFICE in Nextcloud verwenden, brauchen Sie nicht in Panik zu geraten. ONLYOFFICE hat ausdrücklich versprochen, dass der bestehende Konnektor für Nextcloud weiterhin gepflegt wird. Die Aussetzung der Partnerschaft ist für die geschäftliche Zusammenarbeit, nicht für die technische Kompatibilität.

Euro-Office befindet sich jedoch noch im Anfangsstadium - es ist derzeit in der technischen Vorschau und eine stabile Version ist für Sommer 2026 geplant. Wer eine konfliktfreie und vollständig europäische Alternative für den sofortigen Einsatz sucht, sollte Folgendes in Betracht ziehen Zusammenarbeit online - Office-Paket, das auf LibreOffice, die vollständig in Nextcloud integriert ist und nicht durch Lizenzstreitigkeiten belastet wird.

Dies ist ein lebendiger und ungelöster Streit. In den kommenden Wochen wird es von entscheidender Bedeutung sein, die endgültige Position der FSF und die nächsten Schritte beider Seiten zu verfolgen.


Quellen


Die Informationen in diesem Artikel sind zum Zeitpunkt der Veröffentlichung gültig. Die Situation kann sich schnell ändern - wir empfehlen, die offiziellen Quellen beider Seiten zu verfolgen.

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