Surfshark hat im April 2026 offiziell seine erste proprietäre VPN ein Protokoll namens Schalen. Es handelt sich nicht nur um eine Erweiterung einer bestehenden Lösung, sondern um eine von Grund auf neu entwickelte Technologie, die eine eigene Architektur mit speziellen Tunneln für jeden Nutzer einführt. „Dausos“ ist das litauische Wort für Paradies, ein Verweis auf die baltische Mythologie und die litauischen Wurzeln von Surfshark.
Warum überhaupt ein neues Protokoll?
Die meisten aktuellen VPN-Dienste beruhen auf Protokollen wie WireGuard, OpenVPN oder IKEv2/IPsec. Dies sind großartige und bewährte Technologien - aber sie wurden ursprünglich für Unternehmensumgebungen entwickelt und erst später für den allgemeinen Benutzer angepasst. Surfshark hat sich entschieden, einen anderen Weg einzuschlagen und ein Protokoll zu entwickeln, das von der ersten Zeile des Codes an für Endbenutzer konzipiert ist.
Dedizierter Tunnel für jeden Benutzer
Dies ist wahrscheinlich die wichtigste Änderung, die Dausos mit sich bringt. Herkömmliche VPN-Protokolle leiten den Datenverkehr aller Benutzer eines bestimmten Servers durch einen einzigen gemeinsamen verschlüsselten Tunnel. Das ist so, als würden alle Passagiere auf einem Flughafen durch ein einziges Tor gehen. Das funktioniert, aber mit mehr Datenverkehr bedeutet es Verlangsamungen und potenzielle gegenseitige Störungen.
Dausos stellt dieses Modell auf den Kopf. Jeder Nutzer erhält seinen eigenen, isolierten Datentunnel. Laut Surfshark bedeutet dies höhere Geschwindigkeiten, bessere Stabilität und stärkeren Schutz Privatsphäre, weil der Betrieb der einzelnen Nutzer isoliert ist und die gegenseitige Beeinflussung minimiert wird.
Geschwindigkeit: bis zu 30 % mehr laut Surfshark
Laut den internen Tests von Surfshark erreicht Dausos eine durchschnittliche Download-Geschwindigkeit von 318 Mbit/s im Vergleich zu 244 Mbit/s von WireGuard - etwa 30 % mehr. Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass diese Zahlen ausschließlich aus internen Tests stammen. Kein unabhängiger Tester (TechRadar, Tom's Guide, CyberInsider) hat bisher einen eigenen Benchmark durchgeführt - Tom's Guide gibt ausdrücklich an, noch keine Gelegenheit gehabt zu haben, eigene Geschwindigkeitstests mit Dausos durchzuführen.
Die höhere Geschwindigkeit soll aus einer Kombination von zwei Faktoren resultieren: Dedizierte Tunnel, die unnötigen Overhead durch gemeinsam genutzten Datenverkehr eliminieren, und der AEGIS-256X2-Verschlüsselungsalgorithmus, der für moderne Hardware optimiert ist und laut Surfshark effizienter arbeitet als der üblicherweise verwendete AES-GCM.
Post-Quantum-Sicherheit
Surfshark erklärt, dass Dausos vollständig resistent gegen zukünftige Quantenbedrohungen ist. Das Protokoll verwendet die AEGIS-256X2-Chiffre, die derzeit kein anderer kommerzieller VPN-Dienst einsetzt, und umfasst einen Post-Quantum-Schutz, der die Daten auch mit dem Aufkommen von Quantencomputern schützen soll, heißt es in den offiziellen Unterlagen. Die detaillierte Spezifikation der kryptografischen Architektur (spezifische Schlüsselaustauschmechanismen und Zertifizierungssystem) wurde von Surfshark noch nicht vollständig offengelegt.
Sicherheitsaudit durch Cure53
Das Protokoll wurde von Cure53, einem angesehenen deutschen Unternehmen, das regelmäßig VPN-Dienste und andere Datenschutz-Tools bewertet, einem Sicherheitsaudit unterzogen. Die Prüfung fand zwischen Februar und März 2026 statt und konzentrierte sich auf die Verbindungsarchitektur und die kryptografischen Implementierungen. Cure53 bezeichnete Dausos als stabile und widerstandsfähige Plattform ohne kritische oder schwerwiegende Schwachstellen. Der vollständige Prüfbericht wurde noch nicht veröffentlicht, so dass wir die detaillierten Ergebnisse bewerten können, sobald sie verfügbar sind.
Es ist fair zu erwähnen, dass proprietären Protokollen im Allgemeinen mehr Skepsis entgegengebracht wird als offenen Standards wie WireGuard, bei denen jeder den Quellcode einsehen kann. WireGuard hat etwa 4.000 Zeilen Code und unterliegt einer ständigen Überprüfung durch die Community - Dausos, als Closed Source, bietet diese Möglichkeit noch nicht. Surfshark reagiert darauf, indem es Cure53 prüft und ein Patent auf Dausos anmeldet.
Adaptive Leistung
Dausos passt sich dynamisch an die Netzwerkbedingungen und Gerätefähigkeiten an. Das Protokoll verteilt Datenpakete auf intelligente Weise entsprechend der aktuellen Netzwerkkonfiguration des Benutzers, um eine stabile und nahtlose Verbindung auch unter wechselnden Bedingungen zu gewährleisten - egal, ob Sie mit dem heimischen WLAN, mobilen Daten oder irgendwo in einem Café mit instabilem Signal unterwegs sind.
Verfügbarkeit und Einschränkungen
Der Haken an der Sache: Dausos ist derzeit nur in der macOS Surfshark-App verfügbar, die aus dem App Store heruntergeladen werden kann, und befindet sich im beta. Unterstützung für Windows, Android, iOS und Linux wird voraussichtlich später kommen, aber Surfshark hat noch kein genaues Datum genannt.
Wenn Sie Dausos ausprobieren möchten, gehen Sie einfach zu Einstellungen → VPN-Einstellungen → Protokolle und wählen Sie Dausos.
Zwei praktische Tipps, bevor Sie loslegen:
Achten Sie auf Konflikte mit der DMG-Version. Wenn Sie Surfshark in der Vergangenheit direkt aus dem Web heruntergeladen haben (das DMG-Installationsprogramm), müssen Sie diese Version zunächst vollständig deinstallieren, bevor Sie die neue App aus dem App Store herunterladen. Andernfalls kann es zu Konflikten kommen, und das Dausos-Protokoll wird in Ihrem Protokollmenü nicht mehr angezeigt.
Rechnen Sie mit gelegentlichen Ausfällen. Surfshark warnt in der Beta-Version offen, dass es zu Verbindungsproblemen, instabilen Verbindungen oder Funktionsausfällen kommen kann. Bei Problemen empfiehlt es, auf WireGuard oder OpenVPN zurück zu wechseln und Diagnosen zu melden, um das Protokoll weiter zu verbessern.
Was als nächstes zu beachten ist: Secria.me und die Zukunft von Post-Quantum-VPNs
Surfshark ist nicht das einzige Unternehmen im Post-Quantum-VPN-Bereich. Es bereitet auch seine eigene VPN-Lösung vor Secria.me, bisher vor allem als Anbieter von post-quantum-verschlüsselten E-Mails bekannt. Laut ihrer offiziellen Website hat sie Secria VPNs bieten vollständige Post-Quantum-Kryptografie auf allen Ebenen, eine Kombination aus WireGuard und Rosenpass für quantenresistenten Schlüsselaustausch, reine RAM-Server und Multi-Hop-Routing. Ein genaues Datum für die Markteinführung und der endgültige Funktionsumfang wurden noch nicht bestätigt.
Einzelheiten zu Secria VPN werden wir Ihnen die Lösung vorstellen, sobald sie offiziell verfügbar ist. Wir werden die anderen Anbieter und die allgemeine Entwicklung der Post-Quantum-Sicherheit im VPN-Bereich im Auge behalten.
Quellen: